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Geschichte

Im Sommer 1912 saßen einige Hilfarther in der damaligen Gaststätte Mackenstein „ob dr Berch“ bei (wahrscheinlich) einem Schnäpschen (denn Bier war zu teuer) zusammen und unterhielten sich über Musik. Sicherlich wurde nicht zum ersten Mal der Wunsch nach einem eigenen Musikverein ausgesprochen. Jedenfalls beschloss man an diesem Abend, einen „Musikverein“ zu gründen. Potente Bläser hatte man schon im Auge, nur die Instrumente fehlten. Die Beteiligten kamen daher überein, je 10 Reichsmark, was etwa dem Wochenlohn eines Arbeiters entsprach, als Gründungskapital zu stiften.

Maßgeblich beteiligt an diesem Akt waren Matthias Müller und Johann Scholtes. Später kamen die Herren Toni Müller, Karl Derichs und Gottfried Pütz hinzu.

Die Trierscher brachten von ihren Reisen die ersten, wenn auch gebrauchten Instrumente mit. Es fanden sich acht Bläser unter dem aus Millich verpflichteten Dirigenten, Herrn Fliescher, zusammen und versuchten die ersten Schritte in der Musik. Etwa zur gleichen Zeit war im Kirchenchor eine Gruppe junger Burschen, die sich mit der Instrumentalmusik befasste. Sie bekamen Musikunterricht und verfügten daher über fundierte Kenntnisse. In zwangloser Form pflegten diese jungen Leute das Gruppenmusizieren. Diese Gruppe wurde von denen im Instrumentalverein musizierenden Hilfarthern zunächst als Konkurrenz empfunden, und man war sich auch nicht ganz grün. Um die beiden Ansätze nicht zu gefährden, setzte man sich vernünftiger Weise zu einem Gespräch zusammen, was den Beitritt der Kirchenchormusiker zur Folge hatte.

Fronleichnam 1913 hatte der junge Verein bei der Prozession seinen ersten öffentlichen Auftritt.

Durch bescheidene Erfolge mutig gemacht, plante man für August 1914 das erste Musikfest. Das Festzelt war gemietet und die befreundeten Verein eingeladen. Doch der Ausbruch des ersten Weltkrieges machte alles zunichte.

Die Auswirkungen der Kriege und andere Krisen
Wie in allen Lebensbereichen hatten die beiden Weltkriege auch auf das Leben des Instrumentalvereins verheerende Auswirkungen. Nach dem 1. Weltkrieg hatte der junge Verein praktisch aufgehört zu existieren. Das dürftige Vereinsvermögen (Instrumente, Noten usw.) hatte großen Schaden erlitten. Fünf Musiker mussten im Krieg ihr Leben lassen. Anderen war die Lust am Musizieren vergangen.

1919 entschloss man sich zu einem Neubeginn. Initiatoren waren Peter und Wilhelm Barth sowie Johann Strömer. Sie holten die noch vorhandenen Instrumente aus dem Keller, flickten sie notdürftig zusammen, versuchten den einen oder anderen Musiker zum Mitmachen zu überreden und begannen mit der Ausbildung junger Musiker.

Am Fronleichnamsfest des selben Jahres war wiederum der erste öffentliche Auftritt. Die damalige Weltwirtschaftskrise erschwerte den Neuaufbau außerordentlich. Trotzdem war diese Tat Grundlage zu einem vielfältigen Musikleben in Hilfarth, das bis 1938 andauerte. Als durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges erneutes Unheil drohte, zählte der Instrumentalverein Hilfarth 27 aktiv Musizierende. Es ist kein Musiker bekannt, der nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde.

Schon zu Beginn des Krieges mussten die meisten Musiker einrücken. Der in der Heimat verbliebene Rest wurde mit Musikern aus Hückelhoven, Lövenich und Katzem zu einer „SA-Kapelle“ zusammengezogen. Die Proben fanden Sonntags morgens in Erkelenz unter dem Dirigenten Schnabel statt. Die Musiker bekamen SA-Uniformen verpasst und mussten zu den damals üblichen Massenveranstaltungen aufspielen.

Den meisten Musikern war dies zuwider: Man musste mit dem Fahrrad bis Erkelenz zum Proben fahren und der Besuch der Sonntagsmesse war unmöglich. Die Anordnungen waren den meisten allerdings vor allem wegen ihrer persönlichen Überzeugung zu wider. Insgeheim erhoffte man sich jedoch andererseits den Aufschub des Kriegsdienstes. Jedenfalls kam man den selbst gewählten musikalischen Aufgaben, z.B. dem Musizieren zu kirchlichen Anlässen nach, wenn man eine Besetzung zusammenbrachte.

Die Widerstände der damaligen Machthaber gipfelten 1942 in einem strickten Verbot, zur Fronleichnamsprozession zu spielen. Als die Musiker am Fronleichnamsmorgen an der Kirche zum Spielen bereitstanden, überbrachte der damalige Vorsitzende Johann Rick (Böschkes Büb) das Verbot, die Prozession musikalisch zu begleiten. Es war ihm kurz zuvor telefonisch zugegangen.

Die Musiker beschlossen spontan, das Verbot nicht zu befolgen. Sie legten ihrem Vorsitzenden nahe, von seinem Amt zurückzutreten, um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden. Ob er sein Amt niedergelegt hat, ist uns nicht bekannt.

Ob diese Begebenheit oder der allgemeine Hunger des Krieges nach Soldaten Ursache zur Musizierunfähigkeit war, lässt sich nicht sagen. Jedenfalls musste 1942 das Musizieren mangels Musiker eingestellt werden. 1945 standen die heimgekehrten Musiker erneut vor einem Trümmerhaufen. Das Notenmaterial war nur noch unvollständig vorhanden. Ein Großteil der Instrumente war zerstört, geplündert oder anderweitig verloren gegangen. Vier Musiker ließen im Krieg ihr Leben, unter ihnen auch der erfolgreiche Dirigent Peter Barth. Andere hatten, wie nach dem 1. Weltkrieg, die Lust am Musizieren verloren oder kehrten erst Jahre nach Kriegsende in schlechtem Gesundheitszustand aus der Gefangenschaft zurück.

1946 begann eine Gruppe von etwa 8-10 Musikern unter denkbar schwierigen Bedingungen mit dem Musizierbetrieb. Sie flickten die noch vorhandenen, gefundenen oder im Schwarzhandel ergatterten Instrumente zusammen und begannen mit der Ausbildung junger Musiker. Einzelne Musiker fuhren – trotz der sehr großen Sorge um die eigene Existenz – mit Körben oder Bündel von Reichsmark in die Städte, um Instrumente zu organisieren. Die Fronleichnamsprozession war wieder Anlass zum ersten öffentlichen Musizieren.

Obgleich viele mitarbeiteten, muss man die Namen Gerhard Henßen und Wilhelm Barth hervorheben. Für das verwaiste Amt des Dirigenten standen mit Heinrich Pannhausen und Wilhelm Barth zwei geeignete Musiker zur Verfügung. Man entschied sich für Wilhelm Barth, der sich in den folgenden Jahren vor allem in der Jugendarbeit große Verdienste erwarb.

Selbstverständlich geht bei einer Gruppe von Menschen, die viel zusammen ist, nicht alles glatt, auch wenn man das gleiche Ziel verfolgt. Im Instrumentalverein war es nicht anders.

Die schwerste Krise, neben Gründerphase und Kriegen, hatte der Instrumentalverein 1955 zu bestehen. Eine Gruppe junger Musiker schloss sich zu einer Tanzkapelle zusammen. Die Auseinandersetzung hierüber führte zum Austritt dieser Musiker. Dieser Konflikt zog auch weite Kreise außerhalb der aktiven Musiker. Es gab kaum einen Hilfarther, der nicht Partei ergriff. Die Orte in Hilfarth, die die Musiker der einen oder anderen Gruppe aufsuchten, waren mit Bedacht gewählt, um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden. Aber auch diese Krise wurde überwunden, wenn auch nach vielen Jahren. So haben versöhnliche Gespräche doch wieder viele Musiker zusammengebracht.

Die Heranbildung junger Musiker
Der Instrumentalverein hat seit Beginn seines Bestehens ständig versucht, junge Menschen an die Instrumentalmusik heranzuführen. Bis heute werden es einige Hundert gewesen sein, die unter Anleitung aktiver Mitglieder die ersten musikalischen Schritte taten.

Einigen genügte diese Anleitung, andere brachten es mit eisernem Willen zu beachtlichen Leistungen. Die Leistungsstärksten ließen sich sogar bei bekannten Musikern oder bei Berufsmusikern weiterbilden. Zum Teil wurde die Weiterbildung auch vom Instrumentalverein organisiert.
In den 70er Jahren gestaltete sich die musikalische Arbeit mit jungen Leuten zunehmend schwieriger. Die Anzahl der musikinteressierten Kinder und Jugendlichen ging stark zurück. Dieser Rückgang hielt einige Jahre an, so dass letztlich 1984 die Statuten des Vereins geändert wurden. Zum ersten Mal hatten auch Frauen die Gelegenheit sich dem Instrumentalverein anzuschließen. Für damalige Zeiten eine Besonderheit, heute aber anders gar nicht mehr vorstellbar!

Die Leistungskurve des Instrumentalvereins
Natürlich hat man hin und wieder, vor allem in den ersten Jahren, das eigene Leistungsvermögen überschätzt und sich in der Auswahl der Stücke vergriffen. Das tat der Begeisterung der Musiker und der meisten Zuhörer zunächst wenig Abbruch, da Vergleichsmöglichkeiten selten waren.

Peter Barth führte den IVH Mitte der 30 Jahre auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Das Repertoire dieser Zeit bestand aus sogenannten Charakterstücken arteigener und bearbeiteter Kompositionen, bearbeiteten Auszügen oder Zusammenfassungen der Opern- und Operettenmusik sowie den damals so beliebten Potpourris.

Im Jahre 1963 legte Wilhelm Barth aus Altersgründen den Dirigentenstab in jüngere Hände. Friedel Fell, ein begabter junger Musiker aus den eigenen Reihen, wurde musikalischer Leiter.

Unter seinem Dirigat begann etwa 1968 eine erneute Blütezeit des Vereins, die 1971 mit der Verpflichtung des Kammermusikers Gerd Roeder aus Aachen zum Dirigenten ihren Ausdruck und Höhepunkt fand. Die Musiker fuhren zum Teil nach Aachen, um bei den dortigen Mitgliedern des städtischen Orchesters qualifizierten Unterricht zu nehmen.

Ende der 60er Jahre richtete man Instrumentalklassen der Kreismusikschule in Hilfarth ein, um den Musikschülern einen möglichst qualifizierten Unterricht zu vermitteln. Man spielte ab Beginn der 60er Jahre vermehrte arteigene Musikliteratur und beschränkte sich bei der Literatur für großes Orchester auf anerkannt gute Bearbeitungen. 1971 gehörten dem IVH kurzfristig über 50 Musiker an.

Herr Roeder legte nach knapp zweijähriger Tätigkeit sein Amt als musikalischer Leiter nieder. Er verstarb kurze Zeit später.

Mit einem Nachfolger, dem ehemaligen Militärmusiker Herrn Heimerdinger, hatte der IVH weniger Glück. Die meisten Musiker konnten sich mit seiner Art der Interpretation der Musik nicht abfinden. So wurde das Verhältnis zwischen dem IVH und Herrn Heimerdinger als musikalischer Leiter nach ca. eineinhalb Jahren aufgelöst. 1975 übernahm der aus unseren Verein hervorgegangene Heinz-Gerhard Henßen das Dirigentenamt. Er stand dem Verein in einer für das Vereinsleben allgemein schwierigen Zeit im musikalischen Bereich vor. Auch die Nachwuchsarbeit gestaltete sich zunehmend schwieriger. Obwohl wichtige Musiker aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen ausschieden bzw. jung starben, bemühten sich Heinz-Gerhard Henßen und der damalige Vorstand mit Erfolg um den Fortbestand des Vereins.

1983 legte Herr Heinz-Gerhard Henßen im Einvernehmen mit dem damaligen Vorstand das Amt des musikalischen Leiters nieder und bemühte sich mit dem Vorsitzenden, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Dieser wurde mit Herrn Jean Weerts, einem examinierten Musiker und Musikpädagogen aus Roermond, schnell gefunden.

Da die Besetzung des Vereins immer kleiner wurde, konnte das hohe musikalische Niveau aus den 70er Jahren leider nicht gehalten werden.
Herr Weerts war in diesen Jahren auch maßgeblich am neuerlichen Aufbau der Jugendarbeit beteiligt. 1986 legte Herr Weerts aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als Dirigent nieder. Für die Übergangszeit bis zur Verpflichtung eines neuen Dirigenten konnte erneut Herr Heinz-Gerhard Henßen als musikalischer Leiter gewonnen werden.

Im Jahr 1987 zum 75-jährigen Jubiläum wurden die 2. Hilfarther Musiktage vom 13. bis 21. Juni veranstaltet.


Durch die Mitarbeit der aktiven und passiven Mitglieder und der Hilfarther Geschäftswelt war es möglich, dass in der Festwoche täglich eine Veranstaltung durchgeführt werden konnte. Die Festwoche war ein voller Erfolg. Ende 1990 wurde Harrie Boers (Niederlande) als neuer musikalischer Leiter, der auch für die Jugendmusikausbildung verantwortlich war, verpflichtet.

In den folgenden Jahren weitete sich die Jugendarbeit enorm aus. 1992 wurde die Jugendleiterin Gerta Hansen in den geschäftsführenden Vorstand aufgenommen. Hierzu wurde die Satzung geändert. Durch die kontinuierliche Jugendarbeit fand ein Generationswechsel im Orchester statt.

Der Nachwuchs von vielen „gestandenen Musikern“, der auch die musikalische Laufbahn eingeschlagen hatte, und inzwischen soweit ausgebildet war, dass er in das Große Orchester einsteigen konnte, übernahm Verantwortung und engagierte sich zusehends.

1994 nahm der Instrumentalverein am Landesmusikfest in Erkelenz teil. Die monatelange Vorbereitung des Musikstückes Oregon von Jacob de Haan (Pflichtstück) und eines Wahlstückes war Hauptbestandteil der wöchentlichen Proben.
Der Ehrgeiz der Musiker und des Dirigenten, um die Bedingungen für das Wertungsspiel zu erfüllen, war geweckt. Zur Freude aller hatte sich dieses Engagement vollends gelohnt. Beim Wertungsspiel in der Mittelstufe erreichte man einen 1. Rang mit Belobigung.

1997 trennte sich der Verein vom musikalischen Leiter Harrie Boers. Als neuer Dirigent, musikalischer Leiter und Jugendausbilder wurde Jan Vleugels aus den Niederlanden gewonnen.

Im Jahr 2001 wurde mit den Vorbereitungen für das 90-jährige Jubiläum begonnen. Die Feierlichkeiten sollten nur den aktiven und passiven Mitglieder des Vereins vorbehalten sein. Es wurde ein Vereinstag durchgeführt, an dem für Jung und Alt etwas geboten wurde. Neben Wettkämpfen für Kinder und Junggebliebene und einer Zaubershow, gab es auch Informationen über den Verein in Form einer kleinen Ausstellung mit Filmen, Fotos und Uniformen.

Seit 2004 führt der Instrumentalverein wieder Platzkonzerte in Hilfarth durch. Er lässt damit eine alte Tradition wieder aufleben. Die Konzerte werden in jedem Jahr in einem anderen Ortsteil von Hilfarth mit Hilfe der dortigen Nachbarschaft durchgeführt. Inzwischen werden diese Konzerte im Rahmen der Sonntagskonzerte der Stadt Hückelhoven abgehalten.

Damit die Jahreskonzerte gut gelingen, wird seit 2007 jährlich ein Probenwochenende mit allen Musikern durchgeführt. An einem solchen Wochenende, das über 3 Tage geht, wird rund 15 Stunden musiziert. Das intensive Arbeiten an einem Musikstück umfasst an diesen Tagen auch die Theorie, für die bei normalen Proben wenig Zeit übrigbleibt. Der Zusammenhalt unter den Musikern wird durch die gemeinsam verbrachte Zeit ebenfalls gestärkt.

Der Instrumentalverein Heute
Im Jahr 2012 hat der Verein 41 aktive und 271 passive bzw. fördernde Mitglieder. Durch den Dirigenten Jan Vleugels der nun seit 14 Jahren für unseren Verein tätig ist, ist im Verein eine wunderbare Atmosphäre entstanden. Die Jugendarbeit wird kontinuierlich fortgesetzt. In jedem Jahr wechseln Kinder bzw. Jugendliche vom Jugendorchester ins „große Orchester“. Dort spielen Musiker im Alter von 14 bis 76 Jahren gemeinsam in einer tollen Kameradschaft.

Wir können jetzt schon feststellen, dass wir in den kommenden 100 Jahren völlig andere Bedingungen vorfinden werden, als in den vergangenen. Die Lebensweise und die Norm- und Wertvorstellungen haben sich inzwischen grundlegend geändert. Auch hat die Blasmusik sich zu einer eigenständigen Gattung innerhalb des allgemeinen Musikbetriebes entwickelt und ist eben nicht mehr nur dazu da, Musikwerke der großen Musik populär zu machen. Das erledigen inzwischen andere Medien. Heute verfügt die Blasmusik über wertvolle arteigene Kompositionen.

So wünschen wir uns, dass wir einen guten Weg finden, die Herausforderungen der Zukunft zu bestehen und immer junge Menschen finden, die sich der Sache verantwortlich annehmen und den Verein vorausschauend führen.

Möge es dem Instrumentalverein Hilfarth vergönnt sein, noch viele Jahre mit der Pflege volkstümlicher Musik dem Orts- bzw. Stadtgeschehen einen festlichen Rahmen zu verleihen und zum Wohl und zur Freude aller, die in der Musikpflege noch eine Kulturaufgabe sehen.